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Author: Kea

11 Mrz

Warum mich Schönwetterfeminismus wütend macht

Ich wollte keine bissigen Artikel mehr schreiben. Ganz fest hatte ich mir das vorgenommen. Ich wollte es bei einem positiven, bestärkendem Tonfall belassen, weil ich müde war. Müde der Diskussionen mit Frauen, die mir erklären wollten, dass sie sich vom Feminismus bestimmt nicht ihren Lippenstift abschwatzen lassen würden – was niemand verlangt hat. So unendlich müde davon, Frauenrechte gegenüber Frauen verteidigen zu müssen. Aber heute bin ich wütend. Und es muss raus. Feminismus ist nicht bequem, auch für mich nicht und vermutlich werde ich auch für diesen Artikel wieder hübsche Breitseiten kassieren. Das ist okay. Das muss ich aushalten. Das Ziel ist es mir einfach wert. Den Stein ins Rollen brachte diese Grafik, die ich auf Facebook postete, gesäumt von den...
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9 Mrz

Eine review – hält das F Mag, was es verspricht?

F Mag
Brigitte bekommt eine kleine Schwester. Das F Mag. F wie Feminismus. Können die das? Oder ist das wie Ikea und H&M, die neben ihrem billig produziertem Konsumramsch plötzlich in Form von Alibi-Line-Extensions ihre nachhaltige Ader entdecken? Kann ein neues Familienmitglied sich vom Dauerbrenner Brigitte-Diät und vom ewig gleichen Mode-Schminke-Kochrezepte-Kanon lösen? Fangen wir von vorne an. Wie das Heft den Weg zu mir aufs Sofa fand, das ist nämlich schon eine kleine Geschichte wert. Guter Dinge betrat ich den Zeitschriftenladen meines Vertrauens in einem beschaulichen Vorort von Wiesbaden – und fragte nach dem neu erschienenen F Mag. Sagte der Inhabern spontan: Nichts. Nicht weiter schlimm, ein paar Smartphone-Klicks später halte ich ihr ein Bild des Covers entgegen. Wiedererkennendes Augenaufflackern. „Ahhh, das liegt hinten auf dem...
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27 Feb

Vom Mut zur Trauer

Trauer
Meistens, wenn ich Artikel über female empowerment lese, geht es darin um Wachstum, darum, sich größer zu machen, um's Unerschrockensein. Wie die Amazonen stehen sie da, die Heldinnen dieser Beiträge und recken die Hände nach Erfolg, Glück und Selbstverwirklichung. Alles wichtig, keine Frage. Aber Mut, das kann auch etwas ganz anderes bedeuten. Etwas, das wir Frauen im Laufe der Jahrhunderte durch unsere Sozialisierung eingeschärft bekamen, etwas, das uns als beziehungsorientierte Menschen entlarvt, deren Wirkungskreis sich lange Zeit auf den häuslichen Rahmen beschränken musste – wir haben einen Draht zu unseren Gefühlen. Und zu denen unserer Mitmenschen. Wir wissen um die Verletzlichkeit des menschlichen Herzens und schämen uns weniger, Gefühle zu haben und zu zeigen. Meistens. Denn wenn es um Trauer geht, dann stecken...
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13 Feb

Radikal lebendig sein

Wenn ich überlege, welche Geschichten mich zeit meines Lebens am meisten berühren konnten, dann waren es wohl diejenigen, die von Menschen erzählen, die sich voll und ganz ihrer Kunst oder einer Idee verschrieben haben. Die auf Konventionen pfiffen und das taten, was ihnen unmöglich war, nicht zu tun. Die den Mut hatten, ihre eigene Sicht auf das Leben zu entwickeln. Frida Kahlo, Amanda Palmer, Lou Andreas Salomé, Marina Abramovic, Virginia Woolf, Simone de Beauvoir, Clara Immerwahr – um ein paar Beispiele herauszugreifen. Sie alle hatten etwas gemeinsam: Radikalität. Sie ließen sich auf die Möglichkeit ein, zu scheitern, aber sie taten es trotzdem. Sie glaubten an etwas, das ihr inneres Leuchtfeuer war, das sie anzog, magnetisch, wie die Motten das Licht. Da...
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3 Dez

Schon mal aus Höflichkeit geküsst?

küssen aus Höflichkeit
*Triggerwarnung* Lese-Hinweis: Es geht in diesem Text nicht um Menschen, die missbrauchen. Es geht auch nicht um Victim-Blaming. Wer Nein sagt, muss gehört werden. Aber zwischen einvernehmlichem Sex und sexuellen Übergriffen scheint es noch ein anderes Feld zu geben. Das der Frauen, die aus Höflichkeit etwas tun, dass sie eigentlich nicht tun wollen. Die das aber in keinster Weise zum Ausdruck bringen. Aus Angst, unhöflich zu sein. Um dieses Phänomen geht es hier. Denn sie sind kein Opfer eines Gegenübers, das eine Weigerung nicht akzeptiert. Es gibt in diesen Fällen keinerlei sichtbare Weigerung. Die Frauen, von denen ich schreibe, sind vielmehr Opfer ihres eigenen Wunsches nach Harmonie, ihrer Angst vor Konflikten und einem aus der Bahn geratenen Gefühl, höflich sein zu...
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14 Sep

Der Club der lebenden Dichterinnen

Künstlerinnen
Wer hat den „Club der toten Dichter“ gesehen, jenen wunderbaren Film, der mein Teenagerherz mit voller Wucht traf? Der unkonventionelle Lehrer Mr. Keating ermutigt die Schüler eines erzkonservativen Internats dazu, eigenständig zu denken. Manch einer mag den Film mit Robin Williams als gefühlsduselig bezeichnen, vielleicht nicht zu unrecht, aber das kümmert mich nicht. Wer sagt schon auf seinem Sterbebett: „Aber eins hätte ich gerne weniger getan: gefühlt.“? Natürlich ist der Titel dieses Blogposts angelehnt an diesen Film und deshalb nicht ganz wörtlich zu nehmen: Ich suche nicht nur nach Lyrikerinnen. Ich suche Frauen, die erschaffen und denken wollen. Denn nach dem Club der lebenden Dichterinnen, nach ihm sehne ich mich. Dreht sich bei vielen Frauen wirklich alles nur um Makeup, Mode und...
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6 Jun

Liebe und Sexualität im Alter

Sexualität im Alter
Unsere Großeltern, die sitzen maximal noch auf der Parkbank zusammen. Aber Sex? Für Kinder und Enkel oft unvorstellbar. Und das kommt nicht von ungefähr. Lust, Sinnlichkeit, Liebe – jenseits der 60 findet dieses Thema gesellschaftlich so gut wie nicht statt. Die Stigmatisierung älterer Menschen und der ewige Jugendkult, über den ich neulich bereits geschrieben habe, lassen Falten, schütteres Haar und Altersflecken aus den Medien verschwinden, sie werden den Zuschauern nicht zugemutet, sie sollen verborgen bleiben, denn Lust und Alter, das haben Medien und Gesellschaft erschreckender Weise ziemlich erfolgreich entkoppelt. Umso begeisterter war ich deshalb von der Dokumentation „Jetzt mal ehrlich – Lust, Oma und Opa?“ im Bayerischen Fernsehen, die das Thema Sexualität im Alter aus der Tabuzone befreit. Darin kommt Inge Ritter...
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16 Apr

Du schuldest es niemandem, schön zu sein.

Wow. Ich renaturiere. Immer öfter bleibe ich tagsüber ungeschminkt. Ist das eine folgerichtige Nebenwirkung meiner Beschäftigung mit feministischen Themen? Führt die Lektüre von Simone de Beauvoir unweigerlich zum ungehemmten Wachstum von Körperhaaren und der Kündigung des Nagel-Studio-Abos? Und wenn ja – wäre das so schlimm? Dabei habe ich sie immer gemocht: Meinen Lippenstift, meine hohen Schuhe, meine Wimperntusche. So bizarre Formen wie bei manchen meiner Geschlechtsgenossinnen, die ohne Mascara nicht einmal den Weg zum örtlichen Bäcker wagen, hat es nie angenommen, trotzdem war die Ambition „mich hübsch zu machen“ für mich lange Zeit natürlicher Bestandteil meines Daseins als Frau. Ich habe es nie in Frage gestellt. Als Studentin habe ich geschmunzelt über die „Hardcore-Feministinnen“, die in den 68-igern ihre BHs verbrannten. Was ich...
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31 Mrz

Wann es sich lohnt, sich durchzusetzen

Durchhalten. Zu seiner Überzeugung stehen, auch wenn es mal ungemütlich wird. Nicht bei der ersten Hürde verzagt aufgeben, sondern beharrlich sein: All das ist manchmal gar nicht so einfach. Schon von kleinauf habe ich beobachtet, dass es den Mädchen und später den jungen Frauen in meinem Umfeld in Schule, Uni und Berufsleben zum großen Teil schwer fiel, ihre Ideen auch gegen erste Widerstände durchzusetzen. Natürlich gilt dies, wie eigentlich immer, nicht für alle, aber eben doch für einige – mich eingeschlossen. Und ich habe mich schon früh gefragt, woran das liegt. Denn es ist mitnichten so, dass Frauen weniger wollen, können oder sonstwie auf der Pfanne hätten! Trotzdem werden viel zu viele gute Vorschläge heruntergeschluckt, berechtigte Einwände nicht vorgebracht und manch großartige Idee führt...
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22 Feb

Der Jugendwahn der Medien

Grundidee von thirtyplus ist es, dem Leben als Frau jenseits der 30 mehr inhaltliches Gewicht zu verleihen. Denn in der medialen und gesellschaftlichen Wahrnehmung unserer Breitengrade werden Frauen fast immer unter dem Aspekt ihrer Jugendlichkeit und Schönheit beurteilt. Es ist fast egal, was sie sagen, tun oder fordern: Immer wieder und viel zu oft scheint ihr attraktives Äußeres wichtiger zu sein, als ihre Ideen. Im Wesentlichen lassen sich hier drei Kriterien definieren, wie eine Frau zu sein hat, um wahrgenommen zu werden: jung, schlank und sexy. Und bitte auch ausschließlich in dieser Kombination, aber dazu später mehr. Die faltenfreie Stirn und straffe Haut sind Garanten für Aufmerksamkeit und Beachtung in der Gesellschaft. Für mich ist dieser Jugendwahn eine Form von Misogynie (aus dem Griechischen,...
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