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14 Sep

Der Club der lebenden Dichterinnen

Künstlerinnen

Wer hat den „Club der toten Dichter“ gesehen, jenen wunderbaren Film, der mein Teenagerherz mit voller Wucht traf? Der unkonventionelle Lehrer Mr. Keating ermutigt die Schüler eines erzkonservativen Internats dazu, eigenständig zu denken. Manch einer mag den Film mit Robin Williams als gefühlsduselig bezeichnen, vielleicht nicht zu unrecht, aber das kümmert mich nicht. Wer sagt schon auf seinem Sterbebett: „Aber eins hätte ich gerne weniger getan: gefühlt.“?
Natürlich ist der Titel dieses Blogposts angelehnt an diesen Film und deshalb nicht ganz wörtlich zu nehmen: Ich suche nicht nur nach Lyrikerinnen. Ich suche Frauen, die erschaffen und denken wollen. Denn nach dem Club der lebenden Dichterinnen, nach ihm sehne ich mich.

Dreht sich bei vielen Frauen wirklich alles nur um Makeup, Mode und Mandeltörtchen?

Ich fühle mich einsam. Unter den jungen Frauen und Bloggerinnen dieser Welt fühle ich mich einsam. Mehr als ein Jahr lang war ich mit meinem Blog hello mrs eve auf der Reise, mit den anderen Lifestyle-Bloggern der Nation. Das war wie eine Pyjama-Party in einem Zug mit Schlafwagen: Immer jemand da, mit dem man sich austauschen kann, die neuesten Trends, die letzte Kooperation, der nächste Messe-Besuch. Wie eine große Familie, man fühlt sich aufgehoben, wohlig, warm. Wir schipperten auf einer Welle durch das Bloggermeer. Ein Meer für Frauen, wohlbemerkt. Eines, in dem sich fast alles um Mode, Wohnen, DIY und Make-Up dreht. Dinge, die man kaufen kann.

Seit ich mich auf meinen Blogs mehr dem Schreiben widme, meinem Schaffen, habe ich das Gefühl, meinen Waggon entkoppelt zu haben und nun auf irgendeinem Abstellgleis im Nirgendwo herumzudümpeln. Nicht, weil mir meine LeserInnen abtrünnig wurden, gottlob war das nicht der Fall. Ich schätze den Dialog und die Freundschaften, die über meinen Blog entstanden sind. Aber eine aktive Community? Die, wie in der Lifestyle-Szene üblich, sich trifft, um über neue Bücher, eine neue These, eine Kunst-Ausstellung zu sprechen? Die sie womöglich gar selbst geschrieben, erdacht oder veranstaltet haben? Fehlanzeige.

Künstlerinnen

Frauen, vor allem junge Frauen, die sich öffentlich bloggend äußern, beschäftigen sich zu 98% mit den Themen, die ihnen zugedacht sind. Können Frauen nur über Seichtes bloggen? Und wenn ja, bildet sich hier die Gesellschaft ab? Sind DAS die Themen, in denen Frauen sich bewegen müssen, wenn sie in ihre weibliche Peer-Group eingebettet sein wollen? Ja, natürlich gibt es Ausnahmen, aber es sind eben nicht die Frauen links und rechts neben mir.

Woher kommt diese einseitige Themenwahl?

Der Mensch sehnt sich nach Anerkennung, nach Verstandenwerden, nach dem Augenblick des Erkennens im anderen. Wir möchten in Augen schauen, die widerspiegeln, dass sie verstehen, was wir fühlen, sagen, denken. Aber in welche Augen kann ich schauen, wenn ich über das spreche, was mich wirklich interessiert? Oft sind es männliche. Wenn es weibliche sind, dann meist solche, die schon von Falten umsäumt sind. Junge Frauen fahren auf einer anderen Route, so scheint es. Und immer mehr rückt ein Gegenstand ins Zentrum meiner Überlegungen: Welche Themen interessieren junge Frauen? Als was denken sie sich selbst? Sind ihre Interessen limitiert oder setzen sie sich selbst diese Schranke?

Allein bin ich mit meinen Fragen nicht. Dieser Artikel aus dem Archiv des Frauenmagazins Mathilde über die Frage, wo die großen Künstlerinnen sind, zeigte den Unterschied des Selbstverständnisses schon in der Wahl der Formate:

„Große Formate standen (und stehen?) Frauen nicht zu und es ist sehr gut vorstellbar, dass viele Künstlerinnen sich unbewusst selbst eine Grenze gesetzt haben.“

Ich glaube, dass wir uns noch viel mehr solcher Grenzen setzen. Noch immer, auch im Jahr 2016. Wir lassen es zu, weil wir es so gewohnt sind. Und diese Selbstbeschränkung kommt natürlich nicht aus dem Nichts, sie ist historisch gewachsen. Die Kunsthistorikerin Linda Nochlin wurde von der FAZ, zu der Frage, ‚Warum gibt es keine bedeutenden Künstlerinnen?‘, mit ihrer eigenen Antwort konfrontiert:

FAZ: Eine sehr lustige Antwort, die Sie 1971 gaben, lautete: Es gibt keine bedeutenden Künstlerinnen – so wenig wie es Eskimotennisspieler oder litauische Jazzpianisten gibt. Was lehrt uns das Fehlen von Eskimotennisspielern über Frauen in der Kunst?

Linde Nochlin: Dass es keine Förderung für Frauen in der Kunst gab, niemand ermutigte sie. Es gab keine Vorläuferinnen, keine Vorbilder und keine Belohnung. Sie durften lange nicht einmal Aktzeichnen lernen, obwohl das grundlegend war. Sie waren vom System ausgeschlossen.“

Rein THEORETISCH sind Frauen mittlerweile nicht mehr vom System ausgeschlossen. Aber in ihren Köpfen sind, so kommt es mir manchmal vor, noch die verkrusteten Denkmuster vergangener Generationen abgespeichert. Wie eine Software, die sich nur sehr langsam aktualisiert. Ich war, gelinde gesagt, entsetzt, als ich feststellte, dass alle zehn Autoren, die in der Vorlesung über G-E-G-E-N-W-A-R-T-S-Literatur, die mich an der Uni Frankfurt erwarten wird, besprochen werden, Männer sind.

Aber spiegelt das nicht einfach den Status Quo der Gesellschaft wieder? Gehen wir auf die Straße und fragen die Leute nach bekannten Dichterinnen, Malerinnen, Philosophinnen: Da herrscht das Schweigen im Walde. Goethe, VanGogh und Kant kennen sie aber alle. Wie kommt es, dass es nur so wenige intellektuelle Leuchtfeuer mit zwei X-Chromosomen gegeben zu haben scheint?

Wikipedia sagt:

„Künstlerin“ ist im alltäglichen Sprachgebrauch, unterstützt durch Forderungen der feministischen Linguistik, eine selbstverständliche Berufsbezeichnung und wird in staatlich bestimmten Zusammenhängen gleichgestellt zu „Künstler“ verwendet (…) Damit soll der Anteil der Leistungen von Frauen in der Kunst sichtbarer, ihre verdrängte Geschichte in der Kunst bewusster, und die beruflich teils andere Situation von Künstlerinnen leichter darstellbar werden.

Verdrängte Geschichte, das trifft es nämlich ins Herz, meine Damen! Wie ich schon in meinem Artikel über mein zweites Studium auf hello mrs eve geschrieben habe, beziehen sich Lehre und Forschung zum Großteil auf die Werke von Männern. Als ob es keine Frauen gegeben hätte, die gemalt, philosophiert, geschrieben oder gedichtet hätten. Also wie sollen junge Akademikerinnen sich selbst dann in diese Welt hineindenken, die fast nur aus Männern zu bestehen scheint, gerade dann, wenn es um bedeutende Arbeiten geht?

Ich glaube, dass es in der Gegenwart drei wesentliche Punkte gibt, die dazu beitragen, dieses Ungleichgewicht fortzuschreiben:

  • Die Ignoranz der Männer in einer patriarchalisch geprägten Welt
  • Das Selbstverständnis der Frauen! Sie denken in den Bahnen, die ihnen zugedacht werden, seit vielen Generationen. Und wenn sich an diesem Denken nichts ändert, werden auch in Zukunft die Kunstwerke, Bücher und Denkansätze, die in der Welt sichtbar werden, von Männern geschaffen sein.
  • Die Konsumgesellschaft. Lange Texte lesen? Unbequem. Zur Erheiterung unserer Seele kaufen wir Lippenstift, statt Trost in einem Buch oder Bild zu suchen. Wir werden zu passiven Konsum-Marionetten, die nur noch die von der Werbeindustrie erzeugten Bedürfnisse nach Schönheit, makellosem Innen und Außen und gesellschaftlichem Status zu befriedigen versuchen.

Dabei geht es auch anders. Und ging es bereits vor vielen Jahren! Gestern habe ich den wunderbaren Film über Lou Andreas-Salome im Kino gesehen und er bekommt von mir das Prädikat, unbedingt sehenswert. Ich finde ihn hinreißend, inspirierend, wahnsinnig kraftvoll!

Im Film sagt Lou über sich: „Es geht mir um die Entwicklung meines Charakters und meines Geistes.“ Boing. Der Satz trifft mich wie ein elektrischer Stromschlag. Entschuldigt, aber wieviele Frauen haben das für sich so selbst gefordert? Wieviele tun es noch? Man führe sich die Bildung dieser Frau zu Gemüte:

„Umfang und Intensität dieser Studien sind aus ihren Notizbüchern ablesbar. Es gehörten dazu: Vergleichende Religionsgeschichte; Grundvorstellungen der Religionsphänomenologie. Dogmatismus, messianische Vorstellungen im Alten Testament und der Glaubenssatz von der Dreifaltigkeit; Philosophie, Logik, Metaphysik und Erkenntnistheorie; das französische Theater vor Corneille, die klassische französische Literatur, Descartes und Pascal; Schiller, Kant und Kierkegaard, Rousseau, Voltaire, Leibniz, Fichte und Schopenhauer. “ Quelle: Wikipedia

Hallihallo, würde ich mal sagen. Das ist doch etwas anderes, als die Brigitte.

Gibt es frauenspezifische Interessens-Gebiete?

Ich merke immer wieder, wie viel schwieriger es ist, mit Frauen über einen kritischen Artikel in Interaktion zu kommen, als über ein Bild mit rosa Donuts und Lippenstift. Heißt das, dass Frauen sich einfach nicht für andere Dinge interessieren?

Ich glaube das nicht. Ich glaube, dass sie einfach dazu konditioniert wurden, von Eltern, Kindergärtnern, Freundinnen, Omas, Tanten, Onkeln, Vätern, Geschwistern. Deshalb erscheinen mir auch Versuche wie dieser hier, recht lächerlich: Physik-Unterricht, nach Geschlechtern getrennt unterrichtet, um den Mädchen mehr Spaß an der Materie zu vermitteln. Wie hilflos! Da sollen fünfzehnjährige Mädchen, die doch schon seit ihrer Geburt darauf vorbereitet wurden, sich in die Rolle einzupassen, die die Gesellschaft für sie seit Jahrhunderten vorsieht, durch zwei Schulstunden die Woche plötzlich umdenken. Während sich vor und nach der Stunde alles wieder um den gewohnten Mädchen-Themen-Brei dreht. Lächerlich. Und ärgerlich, dass daraus Schlüsse gezogen werden, es gebe eben doch geschlechtstypische Interessensgebiete. Man kann Kinder aber nun einmal nicht geschlechtsneutral erziehen, auch in unserer aktuellen Gesellschaft nicht, dafür müsste man sie jeglichen menschlichen Einflüssen entziehen und das wäre dann wahrhaft unmenschlich.

Was uns aber bleibt, ist die Wahl, ob wir Frauen die Themengebiete und Einflussmöglichkeiten akzeptieren, die uns angeboten werden.

Heißt das jetzt, dass sich nun alle Frauen mit Wissenschaft und Kunst beschäftigen sollen? Ist Nagellack böse? Nein, keineswegs. Genauso, wie nicht alle Männer Goethe sind, sind nicht alle Frauen zur Künstlerin geboren. Aber ich glaube, dass es genug Frauen gibt, die sich gern mit diesen Themen beschäftigen würden, es aber nicht tun, weil in ihrem Umfeld die Anknüpfungspunkte fehlen. Die vielleicht als junge Mädchen spüren, dass sie anders sind, aber keine Gesprächspartnerinnen finden. Die sich mit den Fragen, die ihnen im Kopf herumgehen, exotisch fühlen. Ihnen fehlen Vorbilder, ihnen fehlt der Austausch und zwar im ganz konkreten Umfeld.

Was, wenn mir die Klatschzeitschriften dieser Welt eben nicht genug Futter fürs Hirn enthalten, sondern ich über das Philosophie Magazin diskutieren möchte? Da lichtet sich der Kreis der Gesprächspartnerinnen plötzlich auf erschreckende Weise. Die Fragen, die wir uns alle einmal stellen sollten, sind: Welchen Raum nehmen wir uns? Wie sehr verteidigen wir unsere Ambitionen? Was, denken wir, ist für uns möglich?

Rebecca,die das Kokon-Magazin betreibt, und ich denken gerade auf der Idee herum, eine Bewegung ins Leben zu rufen. Eine Art Salon-Kultur. Nicht das fünfzigste online-Magazin, in dem wir von dem aufregenden Leben anderer Frauen erzählen, Frauen, die uns so fern sind wie die Milchstrasse und die immer noch Ausnahmeerscheinungen sind.

Sondern ein Verbund, ein Rahmen, in dem Frauen gemeinsam Ausstellungen besuchen, Reisen unternehmen, auf denen sie gemeinsam malen, schreiben, philosophieren. Regionale Gruppen, in denen vor allem junge Frauen, die sich nicht zufrieden geben wollen mit dem, was der Markt für sie vorsieht, Anschluss finden.

Ich werde mir mit diesem Artikel nicht nur Freundinnen machen, das ist mir klar. Es geht auch nicht darum, Lifestyle-Blogger zu verurteilen. Sondern denjenigen unter ihnen, die sich nach etwas anderem sehnen, eine Alternative an die Hand zu geben und den Einstieg zu erleichtern. Ziel ist nicht, alle Frauen zu Künstlerinnen zu machen, sondern denen, die es werden möchten, ein Netzwerk zu bieten. Und sie sichtbarer zu machen.

Denn es gibt sie, davon bin ich überzeugt. Und ich glaube, dass wir, auch als Gesellschaft, nicht auf sie verzichten können.

Links zu Künstlerinnen, Literatinnen und Philosophinnen sind in den Kommentaren gerne gesehen. Frauen, die sich am Salon-Kultur-Projekt beteiligen wollen, auch!

UPDATE:  Wir sind froh und stolz, dass unser Projekt DIE SALONS mittlerweile das Licht der Welt erblickt hat: Ihr findet uns unter www.die-salons.de und auf facebook – dort haben wir auch eine eigene DIE SALONS facebook-Gruppe eingerichtet, damit wir uns noch besser vernetzen können. Schaut vorbei und macht mit, wir freuen uns auf euch!

25 Comments
  • Annika

    Hallo Kea,

    mal wieder ein toller Beitrag von dir! Ja, ich empfinde das genauso. Alle stürzen sich auf die Lifestyle-Themen – warum? Weil es leicht ist. Weil man niemandem auf den Fuß tritt. Weil man nicht richtig Stellung beziehen muss. Oder sich etwa die Blöße geben muss, von einer Materie keine Ahnung zu haben.

    Es fehlt unbedingt an starken, engagierten und tollen Frauen mit einer ausdrucksstarken Stimme!! Im TV kommt eher mit Heidi Klum und Co. das Gegenteil zu Wort (oder zur Pipsstimme). Überall lesen junge Frauen doch, worauf es ankommt: Einen heißen Körper, Schönheit und darum, Männer zu verführen und zu heiraten. Gut, vielleicht auch noch Karriere zu machen. Aber alles darüber hinaus…? Schau dir einfach die Titel der Frauenmagazinen an, dann weißt du, worum es vielen geht. Die Idee des Salons finde ich wirklich klasse!

    Also verzweifle nicht – es gibt noch mehr junge Frauen, die sich auch für tiefer gehende Themen interessieren!

    Herzliche Grüße
    Annika

    September 15, 2016 at 6:15 am Antworten
  • Susanne Müller-Schhunck

    Hei liebe Kea,

    Du bist mit dem, wie es ist, unzufrieden? Du spürst, dass Du etwas tun willst, um junge Mädchen/Frauen für Wichtiges zu begeistern?

    Dann begreife DICH SELBST als Vorbild – die Idee mit einem Salon finde ich prima! Alles, was Du da initiieren und beitragen kannst, überhaupt alles, was Du jetzt schon mit Deinen Blogs TUST, ist prima!

    Ich würde es allerdings nicht auf Frauen beschränken, denn die richtige Mischung der Geschlechter und Altersstufen macht jede Veränderung doch erst befruchtend und sinnvoll. Und außerdem ist der Typ Mensch, den Du hier ansprechen willst, immer und zu allen Zeiten nicht häufig „am Markt“ gewesen. Eben deshalb gab es ja die Salons : Sie wurden geboren aus den Sehnsucht der wohlhabenden, klugen (und oft unterforderten) -meist- Frauen, die auf diese Weise das künstlerische und intellektuelle Kapital in ihrer Gesellschaft fördern … …und das Ganze damit auch auf sich abfärben lassen konnten.

    Also: Vorbild sein, Kräfte bündeln und seinen kleinen Teil tun, damit die Dinge in die kluge, interessierte, weltoffene Richtung gehen. Wir haben das dringend nötig – da hast Du vollkommen recht!!!

    September 21, 2016 at 7:51 am Antworten
  • Svenja

    Ich werde mir deinen Artikel noch einmal ganz in Ruhe zu Gemüte führen, bin aber absolut auf deiner Seite – und wäre sehr interessiert an einem solchen Salon-Projekt! Ich schreibe selbst, wenn ich über Alltägliches berichte, eher kritisch. Traue mich dann fast nie das zu posten. Nicht, weil es wenig mit Make-Up etc. zu tun hat, sondern weil es ja aufstoßen könnte… Rein dieses Gefühl sollte unbedingt verschwinden. Viele Grüße aus Hamburg

    September 29, 2016 at 12:09 pm Antworten
  • Daniela

    Liebe Kea, ich bin durch Becci von Ruhrstyle auf deinen Blog aufmerksam geworden und ich bin begeistert. Ich werde das Wochenende nutzen und noch mehr bei dir lesen. Die Salon Idee finde ich super, wäre da sehr interessiert.
    Ich habe gerade darüber nachgedacht, dass ich, die ich in einem typischen Frauenberuf arbeite (Erzieherin und Heilpädagogin) sooft damit hadere. Anstatt stolz zu sein, darauf was ich da tagtäglich leiste, dauerpräsent sein muss, Vorbild sein etc . pp. Aber es wird nicht anerkannt in unserer Gesellschaft, obwohl es so wichtig ist. Wir Frauen sollten auch einfach mal stolzer auf uns sein.
    Ein schönes Wochenende, Dani

    Oktober 1, 2016 at 7:32 am Antworten
  • Manu

    Danke für den tollen Text.. Ich frage mich das sehr oft. Ich habe das Glück mit einer Freundin und einem Freund gelegentlich über solche Themen reden zu können. Die Idee eines Salons wäre richtig toll.

    Wenn ich aber über mich und mein Schreiben nachdenke, merke ich immer wie schwer mir das fällt auch im allgemeinen darüber zu reden. Da ist einfach diese eigenen Angstschwelle, das man nichts zu sagen hätte, die anderen toller sind etc.

    Oktober 10, 2016 at 8:57 am Antworten
  • Elke Kasper

    Liebe Kea, „Wer lebt, stört“ hat Tankred Dorst gesagt. Recht hat er gehabt! Ich habe den Spruch letztens als Postkarte in einer anthroposphischen Buchhandlung gefunden und musst sie sofort adoptieren. Nun hängt sie neben „Dem Wunder leise, wie einem Vogel, die Hand hinhalten“ von HIlde Domin. Passen gut zusammen, die Zwei.
    Ich lerne mit meinen 51 Jahren auch immer wieder aufs Neue auszuhalten, dass ich störe und das auch darf. Und wir dürfen, wir müssen stören: Unbequemes, Leichtgängigiges, Tiefsinniges, Oberflächliches, Vertrautes, Neues… Alles muss und soll da sein. Wir sind eben nicht nur das Eine oder das Andere. Ich will mich gar nicht entscheiden, denn ich bin beides. Derzeit gestalte ich meinen neuen Blog und werde meinen derzeitigen „schlafen legen“Und bei der Entwicklung war ich hin und her gerissen: DIY oder doch über ein Leben mit einer chronischen Erkrankung schreiben? Passen kritische Lebensmomente zu gemütlichen Ausflugsvorschlägen? Können meine eigenen Bilder und Gedichte da mit rein? Und ich habe mich entschieden: Ja! Geht alles zusammen, so wie in mir.
    Bitte, bitte bleib am Salon dran. 3 Freundinnen und ich hatten von 16 Jahren die Salonidee und wollten sie in Münster wiederbeleben. „Salon Multiversum“ sollte er heißen. (Weil jeder eben nicht nur ein Universum in sich hat…) Leider ist es daran gescheitert, dass es uns in alle Himmelsrichtungen zerstreut hat. Wie habe ich mich gefreut, hier davon zu lesen.
    Herzliche Grüße von Elke

    Oktober 11, 2016 at 8:32 pm Antworten
  • Katja

    Liebe Kea,
    was für ein wunderbarer Gedanke, dein Salon! Um es vorab zu sagen – da wäre ich sofort dabei, zumal ich auch aus dem Rhein-Main-Gebiet bin. 🙂 Ich selbst schreibe bisher nur im stillen Kämmerlein. Warum? Du hast viele Gründe in deinem Artikel genannt, warum ich mich wie viele Frauen nicht aus der Deckung traue. Auch wenn ich schon einige Erfahrung im Veröffentlichen von Blogartikeln gemacht habe, aber da ging es – wesentlich unverfänglicher – um Essen. Persönliche, einfach andere Texte im Netz oder anderswo zu verbreiten, puh … Da braucht es schon mehr Mut. Geschweige denn sich als Schriftstellerin zu begreifen. Ein Austausch mit anderen Frauen wäre ein Traum! Auf dass wir auch über das Philosophie-Magazin diskutieren können! 🙂
    Mach unbedingt weiter so, liebe Grüße von der anderen Rheinseite!
    Katja

    November 1, 2016 at 4:54 pm Antworten
      • Katja

        Das kann kein Zufall sein! 😉 Ich bin Feuer und Flamme! Vielen vielen Dank – diese Inspiration und den „Tritt in den Hintern“ habe ich heute gebraucht.
        Einen schönen Abend und hoffentlich bis bald!
        Katja

        November 1, 2016 at 6:04 pm Antworten
  • Kati

    Hallo Kea,

    ich bin über deinen anderen Blog (Einrichtungsgedöns – was ich mir LIEBEND gerne anschaue und du hast definitv ein Händchen dafür – aber ist es nicht genau dieses „In seinen Bahnen bleiben“, wovon du sprichst? ) rübergestolpert und finde es ehrlich gesagt ein bisschen schade, wie du deine Sicht der Dinge darstellst. Frauen durchsetzen inzwischen sämtliche Teilbereiche der Wissenschaft, Kunst und Kultur. Emanzipation und Aufklärung sind in der westlichen Welt teilweise bis über die Spitze getrieben und ich finde den ersten Teil des Posts deswegen fast ein bisschen angreifend, stellvertretend für alle Frauen. Ein Zitat ist ja schön, aber ich glaube an Frauen, die sich auch an 3-Meter-Leinwände wagen 😉

    Nichstdestotrotz kann ich mir vorstellen, woher das Ganze rührt – ich nenns immer die „Bloggerblase“. Sieht man sich (ausschließlich) die an, kann man wirklich schnell verzweifeln, denn klar gibt es da teilweise nicht arg viel Mehrwert oder Tiefgründigkeit.
    Blogs ersetzen die Glamour und andere seichte Magazine, eben online, und jeder kann mitmachen. Eigentlich eine schöne Sache, aber manche verlieren darüber und über die riesigen Mengen an Content, die produziert werden, das Interesse, einen solch langen und interessanten Post (ohne Lippenstift und Nagellack 😉 ) wie den deinen zu lesen. Das ist natürlich schade und erweckt ein falsches Bild. Aber es gibt auch ganz tolle Perlen unter den Blogs.
    Und genauso verhält es sich mit echten Frauen im eigenen Umfeld. Mir fehlt sogar eine mode- und makeupbegeisterte Dame in meinem direkten Umfeld – sicher mit ein Punkt, warum ich zum Beispiel mit Fokus auf Naturkosmetik – sprich Oberflächlichkeit im wahrsten Sinne des Wortes – blogge. Noch. Mein neuer Blog ist frisch dabei und es gibt noch vieles mehr, dass mich interessiert und das ich teilen will. Dennoch ist es nur ein kleiner Teil, ein einzelnes Hobby meiner selbst – aber eben das, dass ich „plakativ“ nach außen trage. Ebenso plakativ trage ich aber auf anderer Plattform auch meine Arbeit im Design-Bereich nach außen – kunstschaffend, im aller-aller-weitesten Sinne.

    „Es fehlt unbedingt an starken, engagierten und tollen Frauen mit einer ausdrucksstarken Stimme!!“ Keinesfalls. Die sind nur oft nicht so plakativ wie Heidi Klum und werden dementsprechend auch nicht auf einem Silbertablett im TV serviert. Aber wer suchet, der findet! Spontan fällt mir da Sina Trinkwalder ein, die ein ökosoziales Unternehmen in Augsburg betreibt und zwei Bücher geschrieben hat, die ich verschlungen habe. Definitv keine Literatur, aber da geht es auch mehr um den Inhalt und das Engagement. Absolute Empfehlung von mir! 🙂

    Interesse an dem von euch geplanten Projekt habe ich aber sehr und werde das ganze gerne mitverfolgen.

    Liebe Grüße,
    Kati

    November 14, 2016 at 3:37 pm Antworten
  • Moon McNeill

    Ich habe beim Lesen Deines Artikels spontan gedacht: Hey, nur weil wir in der Gesellschaft nicht so sichtbar werden, wie wir es verdienen würden, sind wir doch noch lange nicht nicht existent. Mein Erleben ist, dass wir Frauen oft daran gehindert werden, gesehen zu werden.

    Ich habe als autodidaktische Farbfeldmalerein zum Beispiel nicht die geringste Chance gegen die studierten Künstler/innen meiner Heimetstadt erhalten, eine vernünftige Ausstellungslocation zu finden. Stattdessen haben meine Ausstellungen – für die ich Raummiete bezahlen musste – Hohn und Spott sowie die Behauptung studierter Malerinnen geerntet, Leute wie ich machten die Preise der Etablierten kaputt.

    In Wahrheit ist es so, dass die, die Kunst studieren konnten, jene kaputt machen, die auch ohne ein Kunststudium gute Kunst abliefern. Ich habe den Pinsel für immer weggelegt, weil auch die Presse viele meiner Ausstellungen nicht gut begleitet hat. Aber hallo, ich existiere!

    November 30, 2016 at 6:09 am Antworten
  • Tamara

    Liebe Kea,

    Was für ein Stoßseufzer! Ich hoffe mit Ihnen, dass sich viele Frauen dazu äußern. In unserem Fachgeschäft für Schuhe mit Übergrößen treffen wir viele Frauen, die sich für Mode und Lippenstift, aber auch für viele andere Dinge interessieren. Unter den Buddhistinnen dieser Welt gibt es viele herausragende Persönlichkeiten – von Sylvia Wetzel bis zu Jetsünma Tenzin Palmo. Ebenso viele Dichterinnen, Autorinnen, Malerinnen und Bildhauerinnen warten darauf, aus dem Schatten der Oberflächlichkeit zu treten. Und vielleicht auch darauf, Sie kennenzulernen.

    Die Einsamkeit derer, die sich tagtäglich von dieser warmen Wolke an Frauen umhüllt sehen, ohne je tiefer schürfen zu dürfen als über Mode, Diätwahn, Männer und andere Standardthemen des weiblichen Universums, muss profund sein. In Künstlerkreisen finden solche Frauen vielleicht noch am ehesten seelenverwandte Geister – aber sonst?

    Sprechen Sie über das, was Sie wirklich interessiert. Es ist der einzige Weg, zu Gleichgewinnten zu finden. Ohne ein Fachgeschäft für Übergrößen, wo Frauen ohne Probleme eine große Auswahl Damenschuhe in Übergrößen finden, fühlen solche Menschen sich ja schließlich auch isoliert und nicht wahrgenommen. Schaffen Sie eine Anlaufadresse, dann klappt es bestimmt.

    Liebe Grüße
    Tamara
    http://www.schuhxl.de
    SchuhXL – Schuhe in Übergrößen

    November 30, 2016 at 7:07 am Antworten
  • Anja

    Liebe Kea,

    Ich wünsche mir auch schon seit Langen eine Frauengruppe zum Austausch abseits von Nagellack und Co. Frauenpower!
    Ich denke da immer sehr träumerisch an die Wiener Kaffeehauskultur mit ihren wundervollen Künstler und Autorenkreisen des Fin de Siecle. Dann sitze ich manchmal in einem dieser tollen alten Kaffeehäuser und seufze, weil ich es leider nicht schaffe ähnlich interessierte Frauen zu finden.
    Leider haben die letzten 50 Jahre nicht geschafft etwas vergleichbares hervorzubringen. Während in den 60ern und 70er doch hin und wieder die Frauen zusammen gefunden haben, habe ich das Gefühl, dass wir seitdem wieder stagnieren. Es wird Zeit dass wir Frauen wieder zusammen finden.

    Wieso schaffen wir Frauen es nicht so starke Wissenschaftler etc. hervorzubringen? Ich glaube dass zum einen die Vorbilder fehlen und die Frauen nicht kämpfen wollen. Männer werden doch im Konzept der Männlichkeit darauf trainiert zu kämpfen. Wir Frauen wählen doch lieber den Weg des geringsten Widerstandes, der Stabilität und des Friedens. Wir sehnen uns nach Balance und Liebe, während die Männer lernen auch mit Niederlagen und Herausforderungen klar zu kommen. Gerade wenn es noch keine Vorbilder gibt, müssen sich die Frauen diesen Platz hart erkämpfen und dafür haben die meisten wohl keine Energie, da wir ohne Vorbilder auch mehr Widerständen ausgesetzt sind.
    Ich habe vorhin schon deinen Artikel über Angststörung kommentiert. Der Unterschied zwischen dir und den Anderen ist, dass du das Kämpfen gelernt hast, weil du es jeden Tag tust. Darum denke ich auch, dass du eine der Frauen sein kannst, die etwas bewegt.

    PS. Ich habe die Salons schon angesehen und bin gleich beigetreten. 🙂

    Liebe Grüße, Anja

    März 25, 2017 at 8:15 pm Antworten

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