To top

Die Idee hinter 30+

30plusKürzlich wurde ich in der U-Bahn Zeugin folgenden Gespräches eines Pärchens:
Sie sagte: „Peter feiert ja nächstes Wochenende seinen 50. Wahnsinn, wie die Zeit vergeht. Der ist jetzt auch nicht mehr der Jüngste!“
Ihr Gegenüber erwiderte: „Ach was, mit Männern ist es doch wie mit gutem Wein! Je mehr sie reifen, umso besser werden sie. Ein Mann mit 50 – der ist doch im besten Alter!“
„Ach – und wann sind Frauen im besten Alter?“
„Naja, so zwischen 20 und 30. Danach ist der Lack ab.“
Man könnte einfach darüber schmunzeln, schließlich ist uns doch allen das Klischee bekannt: Frauen suchen Männer mit Status, Männer suchen attraktive Frauen. Und das Zeitfenster der, um es mal mit Carolin Kebekus zu sagen, maximalen „Fuckability“ liegt nun einmal ganz offensichtlich vor dem 30. Geburtstag. Manch einer argumentiert, dass die Natur das eben so vorgesehen habe, das potenteste Männchen begattet das fruchtbarste Weibchen. Soweit, so gut. Nur, dass wir dabei einen nicht ganz unwesentlichen Faktor außer Acht lassen: Wir leben nicht mehr in Höhlen. Und Gebären ist nicht mehr unser vorrangigstes Ziel – der Geburtenrückgang spricht eine unmissverständliche Sprache. Wenn wir uns also von dem archaischen Paarungs-Schema gelöst haben – wieso lassen wir dann zu, dass Medien, Werbung und die Gesellschaft uns hauptsächlich über unsere jugendliche Attraktivität beurteilen? Wieso widmen sich Frauenmagazine für eine Zielgruppe ab 30 mit Hingabe Themen, die darum kreisen, wie wir ewig schön und jung bleiben können – gerahmt von Anti-Falten-Creme-Pröbchen und Anzeigen für Bauch-weg-Hosen. Ist es denn wirklich das erklärte Ziel der Welt, auch mit 60 noch auszusehen wie mit 40?
Ja, ist es – aber nur deshalb, weil wir Frauen mitmachen. Weil wir akzeptiert haben, dass sich der Wert einer Frau an ihrer Jugendlichkeit und Schönheit misst. Solange wir das als gegeben betrachten, ist es nur logisch und folgerichtig, dass alle Zeichen des Älterwerdens akuten Angstschweiß auslösen – graue Haare, Stirnfalten, weiche Haut an den Oberarmen.  Aber während ich Männer – hier können wir wirklich so viel von ihnen lernen – oft dabei beobachte, wie sie die Begleiterscheinungen ihrer wachsenden Jahresringe liebevoll-scherzhaft kommentieren, stürzen Frauen wegen schwacher werdendem Bindegwebe in Grand-Canyon-gleiche Abgründe. Und das müssen sie auch, solange sie sich über ihre äußere Hülle definieren. Wieso ist „Elle Macpherson: Unglaublich fit mit 51“ eine Schlagzeile? Wir lernen in diesem Artikel, dass Elle ihren Spitznamen „The Body“ SOGAR mit 51 noch verdient. Wie fürchterlich. Lassen wir uns das für einen Moment auf der Zunge zergehen – diese arme Frau hat einen Spitznamen, der sie komplett auf die Form ihrer äußeren Hülle reduziert. Wie soll so jemand in Ruhe und mit Würde und innerer Gelassenheit altern? Es ist kein Wunder, wenn Frauen jenseits der 40, die ihr ganzes Leben lang über ihre körperliche Schönheit definiert wurden, mit aller Macht versuchen, Schritt zu halten mit dem jugendlichen Idealbild und dabei ins Extreme gehen. Ob mit übermäßigem Muskeltraining wie Madonna oder Sarah Jessica Parker oder mit Schönheitsoperationen wie Meg Ryan – wenn ich Fotos dieser Frauen sehe, dann könnte ich weinen. Ausgemergelte, ausgezehrte Ärmchen und Beinchen, geschwollene Lippen, spannende Wangenknochen. Diese Bilder sind Zeitzeugen einer Generation von Frauen, die die überall vorherrschende Maxime “ Sei jung und sexy!“ so sehr verinnerlicht hat, dass sie am Ende nurmehr in einem grotesken Trauerspiel der Eitelkeiten mitspielen.

Weil ich über diese Entwicklung entsetzt bin und sie nicht unkommentiert lassen möchte, gibt es jetzt thirtyplus. Meine kleine Seite, mit der ich Frauen inspirieren möchte, auf der ich euch Vorbilder vorstellen möchte, Frauen, die durch ihr TUN und ihr SEIN beeindrucken. Auf der ich mit euch meine Gedanken teile und meinen Wunsch nach einer gleichberechtigten Gesellschaft, in der es nicht um Perfektion, sondern um Mitgefühl, Hingabe und Kreativität geht. Mir hat so eine Seite gefehlt, in der Nacht vor meinem 30. Geburtstag. Eine Seite, die uns immer wieder bewusst macht, dass Frauen so viel mehr sind, als ihre äußere Hülle. Dass es so unendlich viel mehr gibt, das wir auf dieser Welt hinterlassen. Eine eigene Spur, einen Weg, der sich auf das eigene Herz besinnt.

 

 

 

 

 

 

5 Comments
  • Frank

    Hallo Kea,

    ich habe ähnliche Sprüche auch schon öfter gehört. Neulich hieß es z.B. „Männer sind wie Wein…“ (das hört man ja öfter, aber den nächsten Teil kannte ich noch nicht) „…und Frauen wie Milch – je älter…“. Tja, was sagt man dazu. Ich sollte vielleicht dazu sagen, ICH BIN EIN MANN! Der Spruch kam übrigens von einer Frau. Und wenn ich recht überlege, kamen die meisten Sprüche dieser Art von Frauen – und nicht von uns Männern. Sollte uns (bzw. euch ;-)) das vielleicht zu denken geben? Kann es sein, dass diese Meinung tatsächlich eher von Frauen als von Männern vertreten wird? Ich bin 40+. Und aus meiner Erfahrung mit Freunden, Bekannten, Kollegen, etc. kann ich dir sagen, dass wir Männer das nicht so sehen (Ausnahmen gibt’s natürlich imemr). Ganz ehrlich. Zum Anschauen – naja. Ok. Aber das ist bei Frauen auch nicht anders. Ihr schaut doch auch gerne hin, wenn einer seinen mit Sixpack bestückten Oberkörper zeigt – eher, als wenn der Sixpack von einem Speckmäntelchen verdeckt ist, oder etwa nicht? Wir Männer wissen die Lebenserfahrung der Frauen durchaus zu schätzen, und das bezieht sich auch auf das Äußere. Ich denke, Männer und Frauen sind von der Denke über das andere Geschlecht gar nicht so verschieden. Einen Unterschied gibt es allerdings: Wir Männer akzeptieren größtenteils unser Alter und was es mit sich bringt. Ihr Frauen nicht wirklich 😉

    März 16, 2016 at 3:00 pm Antworten
  • Moni

    Sehr schöne Idee! Ich feiere heuer meinen 30. Geburtstag und merke jetzt plötzlich, welche Themen selbst auf sonst eher gelassene Frauen (zu denen ich mich zähle) zukommen: Der Vergleich, das Schönheitsideal und all die Fragen, die in den nächsten Jahren beantwortet werden müssen: Kind oder Karriere (oder beides), Partnerwahl, Wahl des Lebensstils. Durch gewisse gesellschaftlichen Meinungen wird Druck aufgebaut, den es gar nicht geben müsste – das klassische Beispiel „Alle guten Männer sind vergeben“.
    Ich halte nicht allzu viel von Schönheitsidealen und würde meinen Partner oder meine Freunde nie nach diesem Kriterium auswählen – nichts ist schöner, als Menschen, die von innen strahlen, die eine starke Persönlichkeit haben, von denen man etwas lernen kann usw.
    Ich bin froh, diesen Blog gefunden zu haben und werde öfter reinschauen 🙂
    Lg Moni

    August 16, 2016 at 10:48 am Antworten
  • Paleica

    was für eine schöne idee. ich bin auch sehr dafür, diesen wahnsinn zu stoppen. aber das können wir nur alle gemeinsam, indem wir nicht mehr mitspielen.

    Oktober 7, 2016 at 8:47 am Antworten

Leave a reply