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16 Apr

Du schuldest es niemandem, schön zu sein.

Wow. Ich renaturiere. Immer öfter bleibe ich tagsüber ungeschminkt. Ist das eine folgerichtige Nebenwirkung meiner Beschäftigung mit feministischen Themen? Führt die Lektüre von Simone de Beauvoir unweigerlich zum ungehemmten Wachstum von Körperhaaren und der Kündigung des Nagel-Studio-Abos? Und wenn ja – wäre das so schlimm?

Dabei habe ich sie immer gemocht: Meinen Lippenstift, meine hohen Schuhe, meine Wimperntusche. So bizarre Formen wie bei manchen meiner Geschlechtsgenossinnen, die ohne Mascara nicht einmal den Weg zum örtlichen Bäcker wagen, hat es nie angenommen, trotzdem war die Ambition „mich hübsch zu machen“ für mich lange Zeit natürlicher Bestandteil meines Daseins als Frau.

Ich habe es nie in Frage gestellt. Als Studentin habe ich geschmunzelt über die „Hardcore-Feministinnen“, die in den 68-igern ihre BHs verbrannten. Was ich damals darüber dachte, dürfte in etwa das treffen, was Caroline Kebekus in die Worte kleidet: „Feminismus, das klingt immer so unrasiert und ungebumst.“

Ungebumst. Okay, also in der überwältigenden Mehrheit der Zeit, in der der homo sapiens über diesen Planeten wandelte, sahen die Intimzonen der Frauen wohl nicht aus wie ein glattrasierter Babypopo. Wir sind trotzdem nicht ausgestorben.

Aber ungebumst, offenbar ist das eine bedrohende Vorstellung! Bloß nicht die Ungebumste sein! Die Gesellschaft, so Kebekus, verlangt es von den Frauen, „fickbar“ zu bleiben. Und um dieses Soll zu erfüllen, wird fleißig gecremt und gepudert und per Bauch-weg-Höschen und Push-UP-BH alles in Form gepresst.

Hohe Schuhe und Lippenstift tragen wir also für uns selbst? Come on!

Es hat schon seinen Sinn, dass es die Wimpernzange für den Mann nicht gibt. Ich erinnere nur an Mel Gibson, der in „was Frauen wollen“ im Badezimmer nach einem Selbstversuch mit Warmwachsstreifen selbige für Folterinstrumente erklärt und zu dem Schluss kommt, dass Frauen verrückt sein müssen, so etwas mehr als einmal über sich ergehen zu lassen. Männer sitzen ungeschminkt im Meeting – wieviel Prozent der Frauen tun das?

„Ich fühle mich einfach schöner, wenn ich geschminkt bin“, flöten sie mir als Erklärung ins Ohr. Und ich glaub es ihnen, denn ich kenne das Gefühl! Aber  – ist das nicht eigentlich furchtbar, furchtbar traurig? Lasst uns unsere Schönheitsrituale doch mal kritisch hinterfragen. Aber Vorsicht, das könnte schmerzhaft werden! Auch für mich.

Das Ego – und meines ist da keine Ausnahme – liebt Schmeichelei. Für Frauen gilt dies in ganz besonderer Weise. Und das haben wir genau so beigebracht bekommen.

Wir kamen doch nicht auf die Welt und fragten als erstes nach der besten Enthaarungsmethode! Wir waren kleine Mädchen und schauten uns ab, was Mami so machte. Und die Mamis unserer Freundinnen. Und die Frauen in der Shampoowerbung und die Nachbarin und unsere großen Schwestern. Wir lernten, was Schönheit bedeutet und welchen Stellenwert sie hat. Aschenputtel bekam den Prinzen, die hässlichen Stiefschwestern blieben ungebumst, auch wenn die Grimms das sicher etwas lyrischer formuliert haben. Früher mag es existenzgefährend gewesen sein, keinen Ehemann zu finden, heute ist das es, zumindest in unseren Breitengraden, nicht mehr.

Trotzdem verdient sich die Schönheitsindustrie immer noch eine goldene Nase an uns. In einem noch nie dagewesenen Ausmaß, befeuert durch Social Media Kanäle und Selfie-Mania, tanzt unsere Gesellschaft um die Schönheit der Frau wie ums goldene Kalb. Als sei sie ihr höchstes Gut. Wir machen uns zurecht, weil wir uns selbst lieber mögen im Widerschein der Anerkennung durch andere. Wir haben gelernt, dass das über unser Äußeres am Schnellsten funktioniert. Am einfachsten, am bequemsten. Tut es weniger weh, uns die Haare an den Beinen zu epilieren, als uns eine eigene Meinung anzueignen und diese auch gegen Widerstände zu vertreten? Ja, tut es! Aber wir sollten es trotzdem auf uns nehmen, denn das kreide ich den Frauen dieser Welt an – sie haben es sich zu bequem gemacht in ihrem hübschen Elfenbeinturm. Sie agieren über den Körper und seine Erscheinungsform einen Selbstbehauptungskampf aus, den sie auf ganz anderem Terrain so viel sinnbringender führen könnten.

Unserem eigentlichen Selbst, das weit unter dem eitlen Ego zu finden ist, ist es herzlich egal, ob unsere Haare gelockt oder geglättet sind, Ehrenwort! Unser Körper ist das Werkzeug, mit dem wir die Welt erleben dürfen, Sommerregentropfen auf der Haut fühlen, den Duft von Apfelblüten riechen, die Umarmung eines geliebten Menschen spüren. Sollte es nicht unser Ziel sein, ihn gut zu pflegen und dankbar in ihm zu wohnen? Was mein Orthopäde zu den Folgen von hochhackigen Schuhen sagt, muss ich nicht erzählen, oder? Kajal und Lidschatten sind nur sehr bedingt bequem – bloß nicht ins Auge fassen, abends abschminken, morgens Pandabär-Optik.

Also hören wir doch auf, zu erzählen, wir machten das nur für uns! Wenn wir samstags mit Jogginghosen auf dem Sofa sitzen, fühlen wir uns eigentlich ganz gut. Wenn niemand hinsieht, wenn wir in Omas altem Pyjama durch die Wohnung tanzen, sind wir doch eigentlich ganz entspannt. Wenn wir im Urlaub in der einsamen Bucht ohne Haarfestiger und Rouge in die Wellen des kalten Meeres springen und dabei einen spitzen Schrei loslassen müssen, fühlen wir uns lebendig. Stark. Kraftvoll!

Trotzdem bringen wir es immer noch munter unseren Töchtern bei, dass es unsere Aufgabe ist, andere mit unserem Äußeren zu erfreuen. Jedesmal, wenn wir zu einem kleinen Mädchen sagen „ Oh, was siehst du so hübsch aus!“, setzen wir die Belohnungsbotenstoffe in ihrem Hirn in Gang, die sie dazu bringen werden, zu glauben, sie schulde der Gesellschaft ein adrettes Erscheinen.

Durch die tolle WE NOW- Women Empowerment- Gruppe auf facebook wurde ich aufmerksam auf einen kraftvollen Gegenentwurf von Erin McKean dazu:

( original englisch, meine freie Übersetzung:)

„ Du musst nicht schön sein. Du schuldest es niemandem, schön zu sein. Nicht deinem Freund, deinem Verlobten, deinem Partner, nicht deinen Kollegen, besonders nicht irgendwelchen Männern auf der Straße.

Du schuldest sie nicht deiner Mutter, du schuldest sie nicht deinen Kindern, du schuldest sie nicht der Gesellschaft.

Schönheit ist kein Betrag, den du bezahlst dafür, einen Platz in der Gesellschaft zu haben, der als „weiblich“ bezeichnet wird.“

Was für mutige Worte! Du bezahlst deinen Platz in der Gesellschaft nicht mit deiner Schönheit.

Ich glaube, dass der Schlüssel dazu, weniger Wert auf Äußerlichkeiten zu legen, nur sein kann, dem eigenen Leben mehr Sinn zu geben. Etwas zu bewegen. Sich für eine Sache zu begeistern, die außerhalb von einem selbst liegt. Und ich glaube, dass verdammt viele Frauen da draußen immer noch ziemlich gelangweilt sind. Anders kann ich mir nicht erklären, dass sie sich zufrieden geben mit den Grazias und Instyles dieser Welt als Bettlektüre. Ein langweiliges Leben als hübsches Aushängeschild, als Dazuverdiener, als zweite Geige führt dazu, um eine sehr kleine Mitte zu kreisen.

Seit ich mein Leben mit mehr Inhalt fülle, meinen Leidenschaften nachgehe, mich mit Politik, Soziologie, Philosophie und Literatur beschäftige, merke ich, wie meine Gedanken um Schönheit in den Hintergrund rücken. Es ist mir noch nicht völlig egal, ob der Rest der Welt meint, ich wäre eine unbumbsbare Frau. Aber es wird mir jeden Tag weniger wichtig. Ich schulde es niemandem, schön zu sein.

Das Zitat von Erin McKean geht noch weiter:

„Das bedeutet nicht, dass du nicht schön sein kannst, wenn du es sein möchtest. Du schuldest es nicht dem Feminismus, un-schön zu sein. Schönheit kann angenehm sein, Spaß machen und dazu führen, dass Menschen dich anlächeln.“

Ich denke, genau darum geht es: Für dich selbst zu untersuchen, wo wir uns herausputzen, weil wir glauben, dass wir es müssen. Wo wir es nicht tun, um uns selbst zu feiern, sondern, um zu gefallen. Wo wir uns verbiegen, in schmerzhaften Schuhen stecken, die Luft anhalten, um das vermeintlich Beste aus uns rauszuholen. Wann immer wir meinen, wir müssten einen Mangel ausgleichen, wir seien nicht genug, wie wir sind, unsere inneren Reichtümer wären nicht ausreichend – in diesen Momenten sind wir gefragt, uns um uns selbst zu kümmern, liebevoll. Mit manchem können wir dann vielleicht einfach aufhören. Mit anderem beginnen. Schönheit hört dort auf, Spaß zu machen, wo sie beginnt, die Menschen zu quälen. Wo sie für ihr Gefühl, schön sein zu müssen, Ängste, Schmerzen und Zwänge erleiden. Oder, um noch mal auf mein Beispiel mit den verbrannten Büstenhaltern zurückzukommen: Wenn eine Frau BHs unbequem und einengend findet und keine tragen möchte – wunderbar! Es ist ihre Entscheidung.

Ich glaube, eine emanzipierte Frau fühlt sich mit Lippenstift genauso sichtbar wie ohne. Dann könnte sie ihn wirklich um ihrer selbst willen tragen. Aber das Ironische ist – dann hat er seine Wichtigkeit für sie eigentlich verloren.

17 Comments
  • Ruhrstyle

    Ehrlich liebe Kea, ich sitze hier vor meinem Bildschirm und nicke und nicke und nicke. Wieder einmal beschreibst du ganz wunderbar ein großes systemimmanentes Problem unserer Gesellschaft.
    Ist es nicht traurig, dass selbst so belanglose Kleinigkeiten, wie das herrichten oft und bei vielen, nicht aus freien Stücken geschieht? Seit Jahrzenten wird uns Frauen eingetrichtert, dass Schönheit das A und O ist. Früher, um einen Mann an sich zu binden und heute kommt noch hinzu, dass uns immer wieder vor Augen geführt wird, dass schöne Menschen ein besseres Leben haben. Leider ist dem auch so, da die Definition und die Empfindung von Schönheit, jahrelang durch mediale Einflüsse manipuliert und festgelegt wurde und sich somit viel zu viele Menschen daran orientieren.
    Natürlich gibt es auch viele Frauen, die von der Welt nicht als schön empfunden werden und trotzdem erfolgreich sind, aber diese finden besonders bei anderen Frauen wenig Beachtung. Ich habe letztens noch einen Spruch gelesen, der in etwa so ging: wer nicht schön ist, aber erfolgreich sein möchte, der geht in die Politik oder arbeitet dort wo er nicht gesehen wird.
    Ist das nicht traurig Kea? Was herrschen nur für Wertvorstellungen auf dieser Welt…

    Ich glaube raus kommt man aus diesem Denken nur, wenn man beginnt dieses System zu hinterfragen. Anschließend muss man zu sich selbst finden und beginnen, sich anzunehmen und zu lieben.

    Bei mir ist es mittlerweile so, dass ich mich nur noch schminke, wenn ich auch Lust dazu habe. Auch BH´s lasse ich besonders im Sommer gerne mal in der Schublade. Wer sich an dann an Nippeln stört, soll den finden, der uns so gemacht hat und sich da beschweren 🙂

    liebste Grüße
    Rebecca

    April 26, 2016 at 7:43 am Antworten
  • Jenny

    Liebe Kea,

    ich finde das ist ein fantastischer Beitrag, allerdings würde ich die Aussage nicht ganz so pauschalisieren!
    Ich bin auch der Meinung, dass es traurig ist, dass viele Frauen so unfassbar viel Make up in ihr Gesicht schmieren, weil sie dann denken den Hochglanz-Mädchen zu entsprechen und damit anerkannter in der Gesellschaft zu sein. Ich bin auch kein Verfechter davon, dass man sich schminken MUSS. Zur Schule bin ich immer ungeschminkt gegangen und am Wochenende bin ich zu 70% ungeschminkt.

    Unter der Woche gehört es für mich dazu, jedoch völlig freiwillig, denn auf der Arbeit ist in meinem Bereich fast keine Frau geschminkt. Ich möchte einfach nicht aussehen wie tot 😀 Deshalb trage ich ein wenig Rouge, Mascara und eine getönte Tagescreme. Das ist nicht viel, reicht aber aus um nicht auszusehen „wie aus dem Bett gefallen“, vor allem weil ich wirklich ausgeprägte Augenringe habe.

    Liebe Grüße
    Jenny

    April 27, 2016 at 9:48 am Antworten
  • Babe be you tiful

    wow. wow. wow 🙂 <3 mir fehlen die worte! ich glaube das liegt daran weil du gerade alles so gut dazu gesagt hast. I'm amazed. Möchte gerne einen Ausschnitt davon auf meinem Blog teilen! <3 natürlich mit Verlinkung auf dich. Du schreibst so wunderbar :)!

    April 27, 2016 at 1:54 pm Antworten
  • Dana

    Hi liebe Kea,

    habe eben deine Vorstellung im Ü30 Blogger Forum gelesen und dachte ich schau mal vorbei! 🙂

    Ich bin um einiges älter als Du (50) doch die „Problematik“ ist – so glaube ich – nicht an das Alter gebunden. Es gibt viele Frauen in den 20ern die sich nicht schminken und auch welche die damit übertreiben und die gibt es auch mit über 60. Ist alles eine Sache der Einstellung, der eigenen Selbstwahrnehmung, des Geschmacks und natürlich wie sehr der Druck von außen kommt und inwieweit man diesem nachgeben will.
    Dass dieser ganze Schönheits-Wahn-Hype über alle Ziele des gesunden Verstandes hinausgeschossen ist, empfand ich schon vor Jahren und er nimmt noch richtig Fahrt auf.
    Ich selbst habe mir da eine gesunde Mischung aus ignorieren und ab zu mal etwas schminken antrainiert. Wenn ich Lust habe mich zu schminken tue ich das und wenn nicht.. tja.. dann nicht. Stirbt sicherlich keiner dran also wozu die ganze Aufgregung? Es gibt weiß Gott wichtigere Dinge in diesem Leben und auf dieser Welt 🙂

    viele liebe Grüße
    Dana 🙂

    http://danalovesfashionandmusic.blogspot.de/

    Mai 3, 2016 at 12:11 pm Antworten
  • Edna Mo

    Klasse!
    Mehr davon!
    Viel mehr!

    ich liebe das Spiel mit meinen verschiedenen Erscheinungen. Vom versifften Schlumpf bis zur mondänen Sirene ist da alles dabei.
    Ist es nicht einfach toll, so frei sein zu können?
    Und was irre ist: das bin trotzdem alles ich!

    Vielen Dank für deine schönen Gedanken!
    Wohlige Grüße
    Edna Mo

    Mai 4, 2016 at 11:02 am Antworten
  • Ina Degenaar

    Hallo Kea,
    ich bin eben zufällig auf deinen Blog gestoßen, als ich bei Facebook deinen Post über die völlig misslungene Kooperationsanfrage gelesen habe.
    Dem, was du schreibst, kann ich nur zustimmen. Ich habe es mal versucht, mit dekorativer Kosmetik zu hantieren, aber das ist einfach nichts für mich. Für den ganzen Zauber bin ich viel zu ungeduldig. Das höchste der Gefühle ist mal ein Lippenstift. Das hat nichts damit zu tun, dass ich Frauen, die sich schminken, verachten würde; meine Tochter tut das auch, das wäre ja traurig. Aber es ist eine Frage des Motivs: Mache ich das für mich oder für andere? Wobei der Beweggrund, es zu tun, damit andere mich schön finden, wieder nichts mit mir zu tun hätte.
    Ich habe vor Kurzem auf einem meiner Blogs einen Artikel veröffentlicht, der sich nicht mit dem Schminken, sondern mit dem Tragen von High Heels beschäftigte. Ich war neulich völlig entsetzt, weil ich in einer Facebook-Gruppe, die aus Patienten mit einer bestimmten orthopädischen Erkrankung besteht – in der Mehrheit Frauen – einer jungen Frau auf ihre Frage hin „Wann habt ihr nach der OP wieder Stöckelschuhe getragen?“ geraten habe, darauf ganz zu verzichten, weil die Sturzgefahr einfach zu groß ist. Dann wäre die OP vergeblich gewesen, und die alten Schmerzen seien wieder da.
    Es wurde danach förmlich über mich hergefallen! Das gipfelte dann in den Satz „Wir sind Frauen und sollten trotz der Erkrankung etwas für uns tun!“
    Ich war echt platt. Ich werde dieses Jahr 50 und habe in meinem Leben noch kein einziges Paar hohe Schuhe besessen. Ja, weil ich es nicht durfte. Aber heute sehe ich, welche Probleme die Frauen, die so etwas getragen haben, haben und bedaure es noch weniger. Ohne Stöckelschuhe und Schminke, aber mit Schwerbehinderung habe ich zwei Mal geheiratet, habe zwei tolle (jetzt erwachsene) Kinder und war Ministerialbeamtin. Geht doch 😉
    Wenn dich der Artikel interessiert, kannst du ihn hier nachlesen: http://www.gesellschaftskritik.com/2016/05/eine-frau-erst-ab-10-zentimetern.html
    Liebe Grüße
    Ina

    Mai 25, 2016 at 3:40 pm Antworten
  • Eva-Catrin Reinhardt

    Ist ja auch eine Frage von Zeit. Männer haben die Zeit, die die Frauen den Tisch für die Familie decken und es zu Hause schön machen, und auch sich selber schön machen, einfach mehr Zeit für ihre Karriere. Aus der Perspektive sollte man das auch einmal betrachten. Kosmetik und Föhnen a 1 Stunde täglich macht schon 7 Stunden in der Woche weniger Zeit…. Dafür waren die Frauen dann schön, sind aber in der Rentenzeit arm. Man muss wirklich über vieles neu nachdenken. LG Eva -Catrin

    September 17, 2016 at 9:23 pm Antworten
  • Jenni

    Liebe Kea!

    Wie so viele deiner Artikel, so hat mich auch dieser Beitrag hier umgehauen. Wahnsinn, wie scharfsinnig und reflektiert du dich der Thematik näherst! Super geschrieben obendrein, aber das kennen wir von dir ja nicht anders. 😉

    Ich glaube auch, dass ein gesunder Mittelweg gefunden werden muss – und dass das Wichtigste beim Schönsein das Bewusstsein ist, für wen das eigentlich gerade gemacht wird – nehme ich diese Maskerade, diese Kostümierung auf mich, um anderen oder um mir selbst zu gefallen? Und vor welchem Hintergrund gefalle ich mir eigentlich selbst? Habe ich die Abziehfolie der perfekten Hochglanzdame imaginär neben meinem Spiegelbild schweben? Oder kann ich mich davon weitgehend frei machen und kenne und mag ich mich in meiner ursprünglichen Schönheit?
    Ich habe vor Kurzem einen Artikel gelesen, in dem es darum ging, dass ein pflegender Umgang mit sich selbst auch eine Form von Selbstliebe und Respekt dem eigenen Körper gegenüber ist – diesen Gedanken fand ich sehr interessant und schön, stellt er doch einen konsequenten Unterschied zwischen Sich-Kostümieren und Sich-Pflegen auf, den viele Menschen gar nicht herzustellen in der Lage scheinen. Ich entscheide mich für das Mich-Pflegen – und zwar so, wie es mir gefällt, wie ich es schön finde. 🙂

    Liebe Grüße
    Jenni

    September 26, 2016 at 7:15 pm Antworten
  • Anja

    Liebe Kea,

    Eine frühere Kollegin von mir, die etwa um die 40 war und immer top-gestylt und in körperlicher Bestform herumlief, die viele für ihr Aussehen bewunderten und die immer viele Verehrer hatte, sagte einmal ganz ehrlich zu mir, als wir uns unterhielten, wie viel Arbeit sie in ihren Körper steckt: „Meine Eltern haben zu mir als kleines Mädchen gesagt, entweder musst du total schlau sein, oder total hübsch sein. Aber in einem von Beiden, musst du unbedingt herausragen. Ich habe mich für das zweite entschieden, weil ich nicht wusste, ob ich für das Andere gut genug bin.“ Das fand ich unheimlich sympatisch, wie sie das gesagt hat und es klang auch ein bisschen, als ob sie ob sie Angst hatte, vor ihren eigenen Fähigkeiten, auf sich allein gestellt zu sein. Und es klang für mich auch danach, als ob ihre Eltern nicht wirklich an sie geglaubt haben, bzw. ein altes Denkmuster wiederholten, als sie ihr diese Weisheit mit auf den Weg gaben und das finde ich irgendwie sehr Schade.

    Ansonsten, jetzt bin ich Sozialarbeiterin und ich versuche mich sehr dezent anzuziehen und zu schminken, weil ich es sehr unangenehm und unpassend finde, wenn Klienten mich von oben bis unten mustern, mit mir flirten oder mich attraktiv finden. Überhaupt finde ich es schrecklich als hübsches „Ding“ wahrgenommen zu werden, ich möchte viel lieber als Frau wahrgenommen werden und zwar als eine Frau, die sich durch ihren Charakter und ihre Fähigkeiten definiert. Und ich würde mir so wünschen, dass man Frauen ganz unabhängig von ihrem Aussehen beurteilt und wertschätzt.

    Liebe Grüße, Anja

    März 24, 2017 at 7:36 pm Antworten

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