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31 Mrz

Wann es sich lohnt, sich durchzusetzen

Durchhalten. Zu seiner Überzeugung stehen, auch wenn es mal ungemütlich wird. Nicht bei der ersten Hürde verzagt aufgeben, sondern beharrlich sein: All das ist manchmal gar nicht so einfach.

Schon von kleinauf habe ich beobachtet, dass es den Mädchen und später den jungen Frauen in meinem Umfeld in Schule, Uni und Berufsleben zum großen Teil schwer fiel, ihre Ideen auch gegen erste Widerstände durchzusetzen. Natürlich gilt dies, wie eigentlich immer, nicht für alle, aber eben doch für einige – mich eingeschlossen. Und ich habe mich schon früh gefragt, woran das liegt. Denn es ist mitnichten so, dass Frauen weniger wollen, können oder sonstwie auf der Pfanne hätten!

Trotzdem werden viel zu viele gute Vorschläge heruntergeschluckt, berechtigte Einwände nicht vorgebracht und manch großartige Idee führt ein unsichtbares Schubladenleben.

Oder vielleicht ist es dir auch schon mal passiert, dass du zwar endlich einmal den Mut hattest, zu sagen, was du wolltest, dir aber die Emotionen einfach durchgegangen sind und du auf halber Strecke abgebrochen hast? Die Stimme brüchig, eine Spur zu schrill, die Tränen ließen sich nur mit äußerster Anstrengung zurückhalten? Und wer erinnert sich nicht an Charlotte, die in Sex and the City erzählte, wie sie in ihrer gesamten Karriere ein einziges Mal in ihrer Galerie weinen musste und es fortan jedes Mal, wenn es stressig wurde, hieß: Oh, Vorsicht, nicht dass Charlotte wieder weint!

Manchmal kann es helfen, zu durchschauen, woran es liegt, dass wir in solchen Momenten so reagieren, wie wir reagieren.

Viele von uns sind mit einer anerzogenen Eigenschaft „gesegnet“, die es uns schwer macht, es zu ertragen, wenn der Wind mal rauer ums eigene Näslein weht: Harmoniesucht.

Wir wollen gefallen. Allen und jedem. Und am besten noch immer.

Seit vielen Generationen wird unzähligen kleinen Mädchen auf der Welt beigebracht, lieb, bescheiden, leise und hilfsbereit zu sein. Und all diese Eigenschaften können an der richtigen Stelle auch nützlich sein – aber eben NUR da. Ich bin absolut nicht dafür, dass wir uns nun alle in machogleiche Rambolinen verwandeln und der ganzen Welt zeigen, dass auch Frauen richtige Arschlöcher sein können. Aber wenn uns eine Idee am Herzen liegt, wenn wir unser Gehalt verhandeln, wenn wir die Beförderung genauso verdienen, wie unser Kollege – dann sind wir noch lange keine Arschlöcher. Dann ist es vielleicht lediglich an der Zeit, uns ein dickeres Fell zuzulegen.

Trotz seines hohen Kitschfaktors und der Klischee-Dichte können wir aus dem Hollywood-Blogbuster E-Mail für dich etwas lernen: Darin gibt Tom Hanks Filmfigur der weiblichen Hauptrolle, geispielt von Meg Ryan, einen ziemlich guten Tip: Geh auf die Matratzen! Wer hier an die Besetzungscouch denkt, ist auf dem ganz falschen Dampfer. Es ist ein Zitat aus der Pate und bedeutet, eine Herausforderung anzunehmen und offensiv in die Auseinandersetzung zu gehen. „ Es ist Business, es ist nicht persönlich“, rät er ihr und sich genau diese Unterscheidung immer wieder bewusst zu machen, kann ungeheuer hilfreich sein.

Ich kann lernen, auszuhalten, dass nicht alles, was ich tue, auf Gegenliebe stößt. Es gibt Dinge, die das wert sind.

Für mich in meiner Selbstständigkeit war es ein wichtiger Schritt, das zu verstehen. Das Geschäft ist das Geschäft. Und nicht alle Entscheidungen, die man im Beruf fällt, treffen auf Gegenliebe. Du hast Freunde und Familie und mit den meisten deiner Geschäftspartner wirst du dich ausgezeichnet verstehen – das ist genug! Und wenn du wirklich gute Argumente hast, die du in einer Diskussion vorbringen möchtest: Wovor solltest du Angst haben?

Wenn dir also das nächste Mal etwas wirklich wichtig ist oder deine Idee binnen weniger Sekunden einfach vom Tisch gewischt wird: Sprich es an! Nimm dir den Raum, erkläre deinen Vorschlag oder deine Forderung. Und wenn es dir nicht gelingt, dabei die Ruhe eines Zen-Buddhisten auszustrahlen – so what?! Auch dafür gibt es Lösungen, beispielsweise Sätze wie:

„ Mir liegt dieses Thema sehr am Herzen, deshalb habe ich so heftig reagiert.“

„ Wenn ich den falschen Ton angeschlagen habe, tut es mir leid. Aber ich stehe inhaltlich zu meinem Vorschlag.“

So gewinnst du wieder Souveränität und Boden und bleibst gleichzeitig menschlich. Es kommt nämlich nicht darauf an, die neue Miss Ellenbogen zu werden und alles rücksichtlos beiseite zu rammen, das sich dir in den Weg stellt. Wir müssen keine zweiten, noch härteren Männer werden. Ich nenne es: Freundlich, aber bestimmt. Wir müssen unser Herz und unsere Empathie nicht ausschalten, nur weil wir Willenskraft beweisen. Beides kann Hand in Hand gehen und ergänzt sich, wie ich glaube, sogar so gut, dass wir beispielhaft vorangehen können.

Denn egal, was wir tun, es wird uns sowieso niemals vollständig gelingen, es allen zu 100 % recht zu machen. Hören wir also auf, es zu versuchen. Denn weißt du, was am bedauerlichste wäre? Wenn du es geschafft hast, fast allen Menschen um dich herum so gut zu gefallen, dass du dich selbst nicht mehr leiden kannst.

9 Comments
  • SOUSOU DIYSIGN

    Liebe Kea!
    Sehr schönes Blog Design – minimalistisch und gradlinigen und sehr elegant, gefällt mir!
    Zu diesem Beitrag muss ich auch noch meinen Senf geben!
    Ich kenne das Gefühl, anzuecken nur zu gut! Ich habe in meinem Leben super oft das Gefühl gehabt, zu impulsiv zu sein und eine zu „andere“ Meinungen zu vertreten. Mittlerweile denke ich mir, dass es für mich nicht immer einfach ist, weil ich ein recht temperamentvoller und direkter Mensch bin, was gerade hier nicht unbedingt so oft der Fall ist. In einem Umfeld von Südländern fühle ich mich dagegen eher wie eine graue Maus :-D.
    Und ja, man muss wirklich lernen, zu seinem Typ, seinen Ansichten und auch seiner Art zu stehen, denn wie du sagst, man kann nicht immer jedem gefallen, und das ist auch auch gar nicht die Aufgabe. Ich habe dazu übigens mal einen Beitrag verfasst, vielleicht findest du dich in dem ja ein wenig wieder: http://www.sousou-diysign.de/quadrat-im-kreis-von-ecken-und-anderen-kanten/
    Liebe Grüße und viel Kraft 🙂

    April 5, 2016 at 1:10 pm Antworten
  • Elisa Zunder

    Liebe Kea,

    ein wirklich spannendes Thema!
    Ich persönlich konnte schon immer gut meine Ideen äußern, meine Meinung vertreten oder auch „mal auf den Tisch hauen“, wenn es nötig war. Hierbei habe ich mir recht schnell angeeignet sachlich zu bleiben und nicht emotional zu reagieren.
    Meine Ausbildung zur Mediengestalterin habe ich in meinem Betrieb mit einem sehr geringen Frauenanteil, die auch alle nicht in meiner Abteilung/Bereich tättig waren gemacht (1 Telefonisitn, 1 Buchhalterin), um hier nicht unterzugehen, musste ich mir diese bestehende Fähigkeit noch weiter ausbauen. Und auch mit einer sachlichen Argumentation meiner Ideen bin ich leider sehr oft, bei meinen männlichen Kollegen angeeckt, da die meisten Männer in dieser Firma noch ein sehr veraltetes Denken hatten, mich nicht ernst genommen haben und mich als aufmüpfig abgestempelt haben, weil ich meine Meinung geäußert habe. Ich denke, dass das Problem noch viel tiefergehend in der Gesellschaft verankert ist und hier von kleinauf die Denkweise von typisch Mädchen typisch Junge dringend geändert werden muss.

    Liebstre Grüße, Elisa

    Liebst, Elisa

    April 5, 2016 at 5:13 pm Antworten
  • Lisa

    Meine Liebe! Ich finde dein neues Design und der Schwarz Weiss Look sind ganz wunderbar geworden 🙂 Und wenn ich hier so durch deine Artikel lese, fällt mir wieder auf wie sehr ich deinen Schreibstil mag. Du machst das toll und inspirierst mich immer wieder auf’s Neue 😉 Dicker Drücker! Lisa

    April 6, 2016 at 9:12 am Antworten
  • Sabina @Oceanblue Style at Manderley

    Dein neues Design ist wirklich schön liebe Kea und dein Thema ist wohl immer aktuell. Aktuell befinde ich mich mit anderen Kolleginnen in einer Auseinandersetzung mit einem Auftrageber um höhere Honorare. Da wollten einige dann erstmal schreiben, wir sollten der Gesprächspartnerin unbeding zuerst sagen, dass es nicht persönlich gemeint sei. Was denkst du? Ist in dieser Runde ein Mann dabei? *lach* Nicht, dass Männerverhalten das Nonplusultra sei. Aber mich hat es echt vom Stuhl gefegt. Das finde ich echt anstrengend! Liebe Grüße Sabina

    Juli 26, 2016 at 2:24 pm Antworten

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