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27 Okt

Trau dich! Spring ins kalte Wasser!

Ich stehe vorm Soho House Berlin und möchte heulen. Der Wind zerrt an meinem für diesen Oktoberabend irgendwie zu kalten Mantel und mein Herz ist sehr sehr tief in meine Hosentaschen gerutscht. Schrecklich lässig aussehende Menschen strömen durch den Eingang hinaus und hinein. Sie alle wirken so, als ob sie ganz genau wissen, wo sie hinwollen. Nur ich fühle mich so seltsam deplatziert, habe keine Ahnung, was mich da drinnen erwartet, fühle mich nicht schön genug, nicht cool genug, nicht erwachsen genug. Mein inneres Mädchen ist plötzlich wieder 5 und hat Angst, dass sie niemand mitspielen lässt.
Dabei weiß mein 30-jähriger Kopf sehr wohl, dass ich hier nichts zu befürchten habe. Wo ich hin will? Zu meinem ersten „Salon Mondaine“, einem wunderbaren Format, das Yasmine Orth vor über 10 Jahren ins Leben gerufen hat. Was früher im Rahmen des Goerzlcubs stattfand, ist inzwischen in den the-lovers-club übergegangen und da Liebe die wunderbarste Triebfeder überhaupt ist, finde ich den neuen Namen ganz großartig. Der Salon Mondaine findet nun zum 11. Mal statt, ein Salon für Frauen (per se schon einmal einfach nur dufte), der sich als Think Tank, Plattform und Netzwerk für die ganzheitliche Unterstützung von Frauen, Familien und der Gesellschaft versteht ( Ja! Einfach nur Ja!)  und deren Credo bis heute lautet „miteinander statt nebeneinander“ (großartig!). Über die Edition F habe ich das erste Mal von Yasmine und vom Salon Mondaine gelesen und nun bin ich also wirklich hier.
Es wartet hinter diesen Türen also kein Spießrutenlauf auf mich, sondern eine Versammlung toller, inspirierender Frauen, die sich wohlwollend, respektvoll und interessiert begegnen. Denen es nicht darum geht, meinen Fehler zu finden und meine Schwächen gnadenlos aufzudecken.
Und eine dieser Schwächen ist meine „kleine“ Sozialphobie. Ich habe fürchterliche Angst, irgendwo falsch zu sein, mich aus Versehen nicht den Gepflogenheiten entsprechend zu verhalten oder mich sonstwie ordentlich zu blamieren. Für jemanden, der selbst mit den HAUPTSTADT-MÄDCHEN eine weibliche Berliner Blogger-Community gegründet hat, mag das vielleicht seltsam anmuten, aber tatsächlich ist der erste Schritt für mich jedesmal eine schier unüberwindliche Hürde. Ein Kraftakt, für den ich all meine Löwenanteile zusammensammeln muss, einmal tief durchatme und dann die Augen zu mache und loshüpfe. Habe ich dann erstmal den Sprung ins Wasser gewagt, fange ich auch an zu Schwimmen. Denn eigentlich liebe ich den Kontakt mit Menschen im Allgemeinen und mit Frauen sowieso.

Und so ist es dann auch heute: Irgendwann ist es draußen ein bißchen zu kalt, in mir ein bißchen zu entschlossen und drinnen ein bißchen zu verlockend und ich betrete die Empfangshalle. Schon vor dem Aufzug knüpfe ich Kontakt zu zwei netten Frauen und der so gefürchtete Kopfsprung ins Ungewisse ist mit etwas Anlauf geschafft. Auf dem Tresen der Bar liegt das Frauenmagazin emotion aus und titelt so passender Weise mit den Worten „Trau dich! Du kannst das!“, dass ich breit schmunzeln muss. Ich bin beeindruckt von dieser Fülle an irrsinnig strahlenden Frauen, die sich heute Abend versammelt haben und würde am Liebsten jede Einzelne von ihnen kennenlernen, ihre Geschichte, ihre Ideen und Visionen und ob sie bei ihrem ersten Besuch vielleicht vorher auch einmal tief einatmen mussten. Zur Einstimmung und zum Ausklang erzählt uns Siri Svegler in ihrer Live-Musik von Grenzen, die wir überwinden und von all dem, was wir im Leben noch entdecken können. Uns erwarten drei spannende Vorträge zum Thema „ How to design your life“.
Iris von Tiedemann spricht über Transformation und Leadership und prägt für mich das wunderschöne Wort HERZKRAFT. Empathie steht im Zentrum von Prof. Isabel Dziobeks Vortrag, an dessen Ende wir direkt mit einer spannenden Übung ins Tun kommen. Vielen herzlichen Dank an Anna Brandes von der Waldlichtung , dem Ideenraum für Inspiration und Sonja Umstätter, Filmfrau,  Coach und Medien-Designerin vom Caoching Laden – es war schön, euch kennenzulernen! Und dann fegt uns Margret Rasfeld mit ihrer engagierten, klugen Idee von einer neuen Art, Schule und Bildungssystem zu denken, völlig vom Hocker.

Mich persönlich berührt sie ganz besonders, weil sie mich an mein früheres Ich erinnert, mein politisch denkendes, von Idealen getriebenes Ich, das mit Mitte Zwanzig durch einen dreijährigen Abstecher in einem lokalen Parlament einen derartigen Dämpfer der Realität erhielt, dass es sich maulig zurückgezogen hat. Margret aber kitzelt es wach und konfrontiert mich mit der nicht unbequemen Frage, wo meine bildungs- und frauenpolitischen Ziele heute noch Ausdruck in meinem Leben finden dürfen. Ihr Vortrag wirkt noch in mir nach und ich bin sehr dankbar, sie gehört haben zu dürfen!

Salon Mondaine Berlin

Außerdem an meinem Handgelenk, ein, wie ich lernen darf, sehr schönes Ritual aus dem Salon: Unter jedem Stuhl findet sich ein kleines Band, das wir einander umbinden – Sonja, mit der ich das Band austausche, schlägt vor, einen Wunsch hineinzuknoten. Ich finde, das ist eine fabelhafte Idee und so muss ich jetzt jedesmal, wenn ich an mein Handgelenkt schaue, an diesen wundervollen Abend mit ganz besonderer Atmosphäre denken, an meinen Wunsch und an den Weg, den ich gehen möchte, um ihn wahr zu machen.

100percentpure Heute Morgen habe ich fast so etwas wie Schmetterlinge im Bauch, pinsele mir ein bißchen Glitzer auf die Nägel, weil ich finde, ein bißchen Sparkle kann bei der Wunscherfüllung sicher nicht schaden und so mache ich mich auf, weiter auf die Reise, genieße meinen kleinen Sprung vom inneren 10 Meter-Turm gestern Abend und freue mich auf alles, was kommt! Und euch gebe ich heute mit, dass es sich immer lohnt, den eigenen Schatten zu überwinden und ein Stück mehr ins eigene Ich zu kommen. Und das darf auch mal schwer sein. Und am allermeisten dürfen wir sagen, dass es uns schwerfällt, weil wir damit mehr und mehr eine Atmosphäre des Mitgefühls schaffen, der Authentizität und des Schwäche-zeigen-dürfens. Denn ich glaube, nur wenn wir sie zulassen, können wir sie auch überwinden. In diesem Sinne: Viel Spaß beim Schwimmen!

 

17 Comments
  • Sonja Umstätter

    Schöner Abend.
    Schöne Frau.
    Schöner Blog!
    Nice to meet you!

    Oktober 27, 2015 at 2:56 pm Antworten
  • Anita

    Toll, einfach super geschrieben. Ich kenne diese Gefühle nur zu gut, aber wie du sagst: Trau dich! Ein Motto, das mich stets vorantreibt.

    http://www.uneprisedeluxe.com

    Oktober 27, 2015 at 4:37 pm Antworten
  • Michi

    Wie immer: Toll geschrieben, liebe Kea!

    Oktober 27, 2015 at 7:53 pm Antworten
  • Julia

    Das hört sich nach einem sehr inspirierenden Abend an. Türen, die in unbekannte Menschengruppen führen, sind für mich auch immer ein kleines Hindernis, aber wenn so viele passionierte Menschen dahinter warten, lohnt es sich doch, diese kleine Hemmschwelle zu übertreten.

    Liebe Grüße,

    Julia

    Oktober 28, 2015 at 7:32 am Antworten
  • Nadine

    Wow, Kea! Ich bewundere deine Ehrlichkeit hier und freue mich, dass dein Mut am Ende dir einen tollen Abend verschafft hat. Jeder von uns hat bestimmte Ängste in sich und viele behalten sie für sich. Bei den Machtkämpfen zwischen Angst und Mut ist es nicht immer einfach den inneren Schupser zu finden! Das kenne ich auch nur zu gut…. Glücklicherweise wird man dann oft so toll belohnt, dass die Ängste hoffentlich mal für länger still halten. 🙂
    Ein wenig neidisch bin ich ja schon, was Berlin alles an Netzwerken zu bieten hat. Da würde ich auch gerne mal reinschnuppern und mich inspirieren und anschupsen lassen. 🙂 Hmm, ob es sowas im Schwabenländle gibt? Muss ich wohl mal google… Liebste Grüße, Nadine

    Oktober 28, 2015 at 8:38 am Antworten
  • SOUSOU DIYSIGN

    Mensch Kea, da muss ich erst jetzt von deinem tollen Projekt erfahren und bin ganz platt, was diesen Artikel betrifft. Ich liebe es, wie du schreibst!
    Du bist eine so tolle Person und ha! natürlich schaffst du alles, wovon du träumst! Man darf sich durch die Umwelt, durch die eigenen erlernten Muster, die einen immer wieder runterreißen zu scheinen oder durch die geistige gesellschaftliche Zwangsjacke nicht entmutigen lassen! Du bist intelligent und talentiert und das wichtigste ist, glücklich zu sein! Und ich weiß wovon ich spreche….
    Ich drücke dich und schicke dir ganz viel Kraft und positive Energie! Souhela 🙂

    Oktober 30, 2015 at 10:06 am Antworten
  • Eclectic Hamilton

    Wirklich wundervoll! Was für eine tolle Idee und Umsetzung.
    Danke für deinen schönen Bericht.

    Greetings & Love
    Ines

    Januar 8, 2016 at 8:13 am Antworten
  • Sandra Bialinski

    Liebe Kea,

    heute bin ich über Deinen Blog gestolpert und habe mich gleich in Deine Texte verliebt.

    Ich bin auch Teil des Ü30-Clubs und stecke gerade selbst mitten in der Selbstfindungsphase. Seit einigen Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema Personal Development und habe schnell gemerkt, dass das ein wunder Punkt vieler (auch starker) Frauen ist. In meinem Blog teile ich meine Erfahrungen damit. Schau gern mal bei http://frog-post.com rein, wenn Du magst.
    Thematisch könnte das eine spannende Ergänzung sein – mit Ü30 begeben sich viele Ladies auf die Reise, sich selbst und ihre Lebensträume zu finden bzw. wir erkennen, dass wir uns bislang vielleicht viel zu wenig um uns selbst gekümmert haben. Sind wir glücklich? Wo möchten wir hin?

    Daher spricht mir Dein Text so aus der Seele – wir müssen manchmal einfach den beherzten Sprung ins kalte Wasser wagen. Außerhalb unserer Komfortzone werden wir belohnt von vielen tollen Erfahrungen und unser Selbstbewusstsein dankt es uns. 😉

    Ich wünsche Dir, dass Du Deine Wünsche und Lebensträume findest und erfüllen kannst. Schreibe weiter großartig! 🙂
    Liebe Grüße

    Sandra

    Januar 31, 2017 at 11:26 pm Antworten

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